MINDFUL MONDAY (72) von Reto Weishaupt

Am Wochenende waren wir im Kloster Mariastein. Der Retreat mit Meditation und Yoga hat uns in die Stille und unseren Fokus nach innen geführt. Der bewusste Rückzug von der Multioptionsgesellschaft und das absichtliche Entschleunigen öffnen Raum. Mentaler Raum, der unseren Geist beruhigt, unser Bewusstsein erweitert und uns klarer erkennen lässt.

Besinnung auf das Wesentliche

Mir wurde einmal mehr vor Augen geführt, wie wenig es doch braucht, um zufrieden zu sein. Ein Dach über dem Kopf, gutes Essen, herzliche Menschen und Zeit. Zeit für wohlwollenden Austausch untereinander und Zeit für uns und die Übung der Konzentration und Achtsamkeit. Einfach da sein und den Augenblick wahrnehmen. Wahrnehmen und annehmen, was da gerade ist. Wie geht es mir? Was möchte mir mein Körper sagen? Für wen oder was bin ich dankbar? Was ist mir wichtig und wo möchte ich meine Energie investieren?

„Die Zeit ist nicht kostbar, denn sie ist eine Illusion.
Was du als wertvoll empfindest, ist nicht die Zeit,
sondern der einzige Punkt, der ausserhalb der Zeit ist: das Jetzt.
Je mehr du dich auf Vergangenheit und Zukunft konzentrierst,
desto mehr verpasst du das Jetzt, das Kostbarste, was es gibt.“
– Eckhart Tolle

Ausserhalb der Zeit

Eine Auszeit lässt uns wieder spüren, dass es in der Natur des Menschen und des Lebens liegt, regelmässig aus der Zeit zu treten und einen Gang runter zu schalten. Bewusst und mit Freude im Wissen, dass es uns gut tut.

  • Vom Gestern und Morgen ins Jetzt.
  • Vom Aussen ins Innen.
  • Von der Aktivität ins Sein.
  • Vom Lauten in die Stille.
  • Von der Multioption in die Einfachheit.
  • Von der Anspannung in die Entspannung.
  • Von den Extremen in die Mitte.
  • Vom Trüben zum Klaren.
  • Vom Viel zum Wenig.
Auszeit

Auszeit heisst so viel wie Pause, Ruhezeit, Halt, Rast, Einkehr. Es ist eng verbunden mit dem Wort schabat, das erstmals in der Tora, der hebräischen Bibel, auftaucht. Es heisst so viel wie ‚mit etwas aufhören‘, ‚innehalten‘. Auf deutsch kennen wir den Begriff Sabbat oder Sabbatjahr und aus den USA kommt der Begriff ‚sabbatical‘. Das Sabbatjahr bezeichnet ein in der Tora beschriebenes göttliches Gebot: „Sechs Jahre sollst Du Dein Feld besäen und sechs Jahre Deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln. Aber im siebten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten. Da sollst Du Dein Land nicht besäen und auch Deinen Weinberg nicht bearbeiten.“ (3. Mose 25, 1–4)

Eine andere Erklärung geht von šeba (sieben) aus: der siebte Tag, das siebte Jahr. „Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tag sollst du ruhen“, heisst es auch im Alten Testament. Das Gebot der Sonntagsruhe hat eine lange Tradition in christlichen Ländern. In der Schweiz, z.B. im Kanton Bern, gibt es sogar ein Gesetz über die Ruhe an öffentlichen Feiertagen: Art. 1 besagt „Das Gesetz will die Ruhe an öffentlichen Feiertagen schützen, um den Menschen Erholung und gemeinsame religiöse, soziale, kulturelle und sportliche Betätigung zu ermöglichen.“

Es geht also am siebten Tag – oder bei einer Auszeit – um Erholung für Körper, Geist und Umwelt sowie um die Pflege von Beziehungen. Die Beziehung zu anderen wie auch die Beziehung zu uns selbst. Schön, nicht? Sogar gesetzlich vorgeschrieben!

Gönne dir doch wieder mal eine Auszeit.