MINDFUL MONDAY (74) von Reto Weishaupt

Unser Normalzustand ist die Nicht-Stille. Stille ist ungewohnt und kann irritieren. Stille ist aber auch Friede und kann beglücken. Die Stille zeigt sich in verschiedenen Facetten. Stille ist nicht gleich Stille:

– Äussere Stille – Stille in Bezug auf Geräusche von und nach aussen.
– Körperliche Stille – Stille in Bezug auf körperliche Aktivität.
– Innere geistige Stille – Stille in Bezug auf Gedanken und Empfindungen.

„Nicht ausserhalb, nur in sich selbst soll man den Frieden suchen. Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts, und er verwirft auch nichts.“
– Buddha

Stille setzt Schweigen voraus

Wenn wir uns Zeit nehmen bewusst still zu sein und still zu sitzen, wird der innere Dialog unweigerlich lauter. Wir sind gezwungen uns mit diesem Dialog auseinander zu setzen und wir können uns nicht ins Aussen flüchten. Das ist anspruchsvoll. Der Mensch, von Natur aus ein kommunikatives Wesen, das sich mitteilt, Erfahrungen austauscht und Resonanz sucht, fühlt sich in der Stille schnell einmal abgeschnitten und alleine oder gar verlassen und verloren.

Du bist dein eigener stiller Beobachter

Hat man sich aber an ein regelmässiges Fenster der Stille – z.B. 5 min tägliche Meditation – gewöhnt, entfaltet sich mit der Zeit ein Gefühl von Ruhe, von innerem Frieden. Die Stille gibt uns die Gelegenheit wahrzunehmen was in diesem Moment gerade da ist an Gedanken, Gefühlen und Empfindungen. Es ist hilfreich alles was da ist mit Freundlichkeit willkommen zu heissen, sei es Angenehmes oder Unangenehmes, und dabei alles aus einer Perspektive eines neutralen Beobachters wahrzunehmen.

„Meditation ist sehr viel mehr als ein tiefes Betrachten von Gedanken. Wir hören in unsere ganze Person hinein. Lauschen, was in unserem Körper geschieht, wie wir atmen, wie unsere Gedanken fliessen, wie Geräusche auf uns wirken. Im Grunde sind wir unser eigener stiller Beobachter. Wir wollen nichts bewegen, sondern einfach nur im gegenwärtigen Moment sein.“
– Dr. Christoph André

Trübes Wasser in einem Glas wird klar, wenn man es ruhen lässt. Die Partikel im Wasser setzen sich langsam am Boden ab und man sieht durch das Glas hindurch. Ähnlich ist es in der Stille der Meditation, wo mentale Sensationen und der aufgewühlte Geist langsam vom Trüben ins Klare gelangen. Wir erfahren die Kraft der Stille. Unser Geist kommt zur Ruhe und wir beginnen klarer zu erkennen, was ist.

Setzt man das Glas Wasser ins Meer, so löst es sich auf als Teil von etwas Grösserem. Es verbindet sich und wird eins. In der Meditation verbinden wir uns mit der Stille und mit dem Frieden in uns und um uns.

„In der Stille liegt die Wahrheit.“
– Ekiho Miyazaki (Japanischer Zenmeister, im Alter von 104 Jahren)

Entschleunigung – Einkehr – Einsicht.
Mit der Stille kommt die Ruhe.
In der Ruhe liegt die Kraft.
Vertrauen aufs Leben.