MINDFUL MONDAY (70) von Reto Weishaupt

Ein Wald ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Bäume und Pilze sind miteinander verbunden und bilden in der Gemeinschaft ein vernetztes Ökosystem, einen Superorganismus Wald. Wir Menschen können Kontakt aufnehmen mit diesem Superorganismus und anhand eines achtsamen Aufenthaltes im Wald unsere Gesundheit positiv beeinflussen.

Superorganismus Wald

Denken wir an Wald, denken wir als erstes an Bäume. Sie sind die Grundlage des Waldes und visuell mit ihrer Grösse und den verschiedenen Formen und Farben prägnant. Vielleicht denken wir auch an Sträucher, Pilze, Moose oder Tiere. Aber ein Wald ist viel mehr als man von blossem Auge sehen kann. Bäume kommunizieren miteinander über Duftstoffe (Terpene) in der Luft und über elektrische Impulse mittels Pilzfäden (Mykorrhizen) in der Erde. Dies ist wissenschaftlich erforscht und belegt. Eine Infografik vom Beobachter zeigt weitere faszinierende Fakten über den Wald.

„Bäume kommunizieren miteinander.“
– Peter Wohlleben (Förster und Autor)

Terpene

Terpene sind gasförmige, bioaktive, biochemische Substanzen resp. Moleküle. Es sind Duftstoffe, welche von Bäumen, Sträuchern, Moosen, Farnen, Kräutern, Gräsern und Pilzen in die Luft abgegeben werden. Terpene enthalten bestimmte Informationen. Beim Waldbaden trifft das kommunizierende Immunsystem der Bäume in Form von Terpenen auf das menschliche Immunsystem, das diese Informationen entschlüsseln kann. Studien belegen, dass bereits ein relativ kurzer Aufenthalt im Wald – u.a. dank Terpenen – zu einer verbesserten Immunabwehr, Senkung des Blutdrucks und Verminderung von Stress führt.

Wood Wide Web

Pilzfäden (Mykorrhizen, altgr. mýkēs = Pilz und rhiza = Wurzel) sind eine Symbiose von Pilzen und Pflanzen, bei der ein Pilz unter dem Boden mit dem Feinwurzelsystem einer Pflanze in Kontakt ist. Die Pilzfäden übermitteln die elektrischen Signale der Bäume und vernetzen die Bäume so untereinander – Wood Wide Web. Dabei werden auch verschiedene Arten wie Birken und Tannen vernetzt. In einem Teelöffel Walderde hat es mehrere Kilometer Pilzfäden! Für ihre „Dienstleistung“ verbrauchen die Pilze bis zu ein Drittel der Zuckerproduktion der Bäume aus der Photosynthese. Es ist wie ein Handel zwischen Pilzen und Bäumen zum Vorteil von beiden. Für den Zucker, den die Pilze bekommen, geben sie Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor) aus der Erde an den Baum ab. Ausserdem schützen sie die Wurzeln, indem sie Schadstoffe (Schwermetalle) filtern.

Achtsamkeit im Wald

Und was hat das alles mit Achtsamkeit zu tun? Ich möchte die Faszination für den Wald wecken, sodass wir mehr in den Wald gehen und dort gegenwärtig sind ohne zu werten, sondern einfach nur staunen. Wir Menschen sind auch ein Teil der Natur. Wir sind auch Teil des Ökosystems Erde. Gerade aber wenn wir länger in Städten leben und arbeiten, in Wohnungen wohnen und mit Autos oder öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit in unsere Büros pendeln, vergessen wir das häufig. Viele von uns haben sich von der Natur entfernt, haben die Verbindung zur Natur fast verloren. Achtsamkeit im Wald zu üben führt uns wieder näher zur Natur. Back to the roots. Das fühlt sich gut an und gibt Energie. Wir können abschalten und entspannen.

„Come take a walk on the wild side.“
– Lou Reed

Waldbaden mit MINDFULMIND

MINDFULMIND bietet auch dieses Jahr wieder Waldbaden von Mai bis Oktober in Bern und St. Gallen an. Probier’s mal aus. Roland und ich freuen uns auf dich und die gemeinsame Zeit im Wald. Lerne den Wald – und vielleicht auch dich selber – von einer neuen Seite kennen. 🌳🌳🌳