MINDFUL MONDAY (95) von Reto Weishaupt

Das Institut für Organisation und Personal (IOP) der Universität Bern hat eingeladen, MINDFULMIND war dabei. „Mit Yoga zum Erfolg? Was wirklich hinter Achtsamkeit in Unternehmen steckt“ – So lautete Anfang April 2019 das Thema der Veranstaltungsreihe „IOP trifft Praxis“.

IOP trifft Praxis

Jessica Niedermair, Doktorandin am IOP, führte in das Thema ein und präsentierte zu Beginn die spannenden Ergebnisse ihres gleichnamigen Arbeitsberichtes, der im Februar 2019 publiziert wurde. Bei der anschliessenden Paneldiskussion wurde das Thema aus vier verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet:

– Eine psychologische Perspektive von Leda Scerpella, Leitende Psychologin Privatklinik Hohenegg AG
– Eine philosophisch-spirituelle Perspektive von Tobias Karcher SJ, Direktor Lassalle-Haus
– Eine personalwirtschaftliche Perspektive von Markus Jordi, Leiter Personal SBB AG
– Eine Gründerperspektive von Reto Weishaupt, Co-Founder MINDFULMIND.

Universität Bern untersucht Achtsamkeit in Organisationen

Seit 2016 widmet sich ein Team am Institut für Organisation und Personal, bestehend aus Jessica Niedermair, Prof. Dr. Julia de Groote und Prof. Dr. Andreas Hack, verschiedenen Fragestellungen in Bezug auf Achtsamkeit.

Nachfolgend sind in verkürzter Form die Hauptergebnisse des Arbeitsberichtes der Universität Bern „Mit Yoga zum Erfolg? Was wirklich hinter Achtsamkeit in Unternehmen steckt“ umrissen.

  • Achtsamkeit kann eine wichtige Ressource für Individuen wie auch für Organisationen darstellen.
  • Das Wissen und Verständnis der Achtsamkeit ist relativ hoch und viele Personen haben Erfahrung mit Achtsamkeit oder Achtsamkeitsmeditation. 34% der 565 befragten Personen haben sich schon mal mit Achtsamkeit befasst, 14% haben schon ein Achtsamkeitstraining absolviert und 11% meditieren regelmässig.
  • Die individuelle Achtsamkeit, also die Achtsamkeit eines jeden Einzelnen, hängt positiv mit der Arbeitszufriedenheit und negativ mit der Kündigungsabsicht zusammen. Das heisst, je achtsamer, desto zufriedener mit dem Job und desto weniger Absicht zur Kündigung.
  • Team-Achtsamkeit ist von Bedeutung.
  • Achtsame Teams sind innovativer als weniger achtsame.
  • Mitarbeitende in achtsameren Teams können konstruktiver mit Konflikten umgehen und sind zufriedener mit ihrem Team.
  • Mitarbeiter in achtsameren Teams profitieren von einem höheren Team-Zusammenhalt sowie von einer höheren psychologischen Sicherheit als Mitarbeitende in weniger achtsamen Teams.
Was ist Team-Achtsamkeit?

Team-Achtsamkeit ist gemäss dem Bericht gekennzeichnet durch ein geteiltes Bewusstsein für Erfahrungen im Team, und dadurch, dass diese Erfahrungen nicht gewertet werden. Grundsätzlich unterscheidet sich die Team-Achtsamkeit von der individuellen Achtsamkeit dadurch, dass man nicht «nur» das Individuum, sondern eben das Team als eine Einheit betrachtet.

Der Bericht führt weiter aus, dass man bei der Untersuchung von Team-Achtsamkeit davon ausgeht, dass ein Team eine eigene Persönlichkeit entwickeln und durch Achtsamkeit gekennzeichnet sein kann. Teams sind die zentralen Bausteine im Unternehmen, weshalb die Beachtung der Team-Achtsamkeit von so grosser Bedeutung ist.

Team-Achtsamkeit und mehr Innovation

Jessica Niedermair et al. argumentieren, dass achtsame Teams nicht sofort etwas als richtig oder falsch klassifizieren und experimentierfreudiger sind als weniger achtsame Teams. Folglich könnte die Team-Achtsamkeit wichtig für Innovationen im Team sein. Die ersten Ergebnisse der Universität Bern lassen hier einen positiven Zusammenhang vermuten.

Team-Achtsamkeit und konstruktiver Umgang mit Konflikten

In der ersten Studie zu Achtsamkeit in Teams überhaupt aus dem Jahr 2017 haben Yu und Zellmer-Bruhn herausgefunden, dass es bei höherer Team-Achtsamkeit weniger Beziehungskonflikten in Teams gibt und dass sich Aufgabenkonflikte und Beziehungskonflikte in Teams mit hoher Achtsamkeit nicht gegenseitig verstärken. Daraus folgt: Team-Achtsamkeit ist wahrscheinlich förderlich für eine höhere Zufriedenheit im Team und eine bessere Teamleistung.

Team-Achtsamkeit und hoher Team-Zusammenhalt

Die zugrunde liegenden Daten des Arbeitsberichtes zeigen, dass die Team-Achtsamkeit positiv mit dem Team-Zusammenhalt zusammenhängt. «Ein gutes Gefühl», ein Wir-Gefühl resp. ein Gefühl von Zusammengehörigkeit im Team ist mit grosser Wahrscheinlichkeit förderlich für eine bessere Teamleistung.

Team-Achtsamkeit und hohe psychologische Sicherheit

Die psychologische Sicherheit in einem Team drückt gemäss dem Arbeitsbericht aus, inwiefern man im Team einen Fehler machen kann, ohne dass einem dieser nachgetragen wird, ob man im Team schwierige Themen vorbringen kann und ob man die anderen Mitglieder ohne Scham um Hilfe fragen kann. Die psychologische Sicherheit wird häufig als der zentrale Schlüsselfaktor für den Erfolg eines Teams gesehen. Die Untersuchungen der Universität Bern zeigt auf, dass auch hier ein positiver Zusammenhang mit der Team-Achtsamkeit besteht.

Praxisimplikationen

Zusätzlich zu allen positiven Aspekten bestehe das Risiko, dass einige ArbeitnehmerInnen sich bewusst werden, dass sie im falschen Beruf tätig sind. Letztlich stecke jedoch auch in dieser Erkenntnis für die betroffenen Mitarbeiter und Unternehmen nicht unbedingt etwas Negatives. Auch ich bin der Meinung, wenn wir unsere Stärken am richtigen Ort einsetzen können, ist schlussendlich allen geholfen.

Weiter wird betont – was ich sehr begrüsse -, dass eine Steigerung der Achtsamkeit nicht als «neues Erfolgsziel» im Unternehmen gelten soll. Diese fälschliche Interpretation könne dazu führen, dass das Achtsamkeitstraining zu einem weiteren Stressfaktor würde, was weder für die Mitarbeiter noch für die Unternehmen von Vorteil wäre.

Der Arbeitsbericht der Universität Bern hält fest, dass es für Unternehmen vorteilhaft sei, dass die Förderung der Achtsamkeit keiner kostspieligen Reorganisation bedarf, sondern eine Steigerung der Achtsamkeit bei jedem Einzelnen beginnen könne und müsse. Ich möchte hier noch hinzufügen, dass man als Unternehmen die Nachhaltigkeit der Bestrebungen von Einzelnen unterstützen und stärken kann, indem man ihnen einen organisatorischen Rahmen bietet in Form von regelmässigen Einführungen sowie Formaten zur Weiterführung ihrer Achtsamkeitspraxis, optimalerweise eingebettet in ihrem Arbeitsalltag.

Die Universität Bern empfiehlt aufgrund der Ergebnisse der Untersuchungen sowie der unzähligen bisherigen Studien in diesem Bereich, dass man Achtsamkeit eines jeden Einzelnen und der Teams im Unternehmen fördern sollte. Der erste Schritt sei hierbei, im Unternehmen ein Bewusstsein für dieses Thema zu schaffen und bestehende Bestrebungen in diese Richtung zuzulassen.

„Kein Weg führt daran vorbei,
zu üben
und immer wieder
zu üben.“
– Jon Kabat-Zinn

Die Übung macht den Meister

In diesem Sinne, lasst uns üben. Eine zugängliche und praxisorientierte Einführung ins Thema Achtsamkeit und Meditation sowie regelmässige Übungspraxis ist für eine nachhaltige positive Wirkung zentral. MINDFULMIND bietet anhand diverser Formate Unterstützung und einen Rahmen dafür – für Individuen und Organisationen: