MINDFUL MONDAY (113) von Reto Weishaupt

Ich wurde einmal von einer Retreat-Teilnehmerin gefragt, welchen allgemeinen Ratschlag für ein glückliches Leben ich meinem kleinen Sohn mit auf den Weg geben würde. Ich finde, das ist eine Frage, über die es sich nachzudenken lohnt. Welche Denk- und Verhaltensweisen sind förderlich für Glück und Zufriedenheit? Oder was macht glücklich? Oder wie gelingt ein glückliches Leben? Oder zumindest eine Idee, wie ein glückliches Leben gelingen könnte.

 

Inspiration anstelle von Ratschlägen

Anstelle eines Ratschlages, möchte ich lieber inspirieren oder etwas davon anbieten, was ich bisher gelernt habe. Ich versuche mich mal in Form eines Briefes an meinen Sohn:

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Lieber V,

Ich wünsche dir, dass du ein glückliches und zufriedenes Leben führen darfst. Und, dass du mit allen Erfahrungen, die dir als Unglück erscheinen, einen konstruktiven und heilvollen Umgang findest.

Glück und Zufriedenheit kommen häufig nicht von daher, was wir erleben, was uns widerfährt oder was wir uns erarbeiten. Sondern Glück und Zufriedenheit kommen häufig von daher, wie wir zum Erlebten stehen.

Wie sind wir in Kontakt, mit dem, was ist?
Sind wir überhaupt in Kontakt, mit dem, was ist?
Mit welcher inneren Haltung sind wir in Bezug oder in Beziehung zur aktuellen Erfahrung?

Sind wir erwartungsvoll, voreingenommen, unbewusst, abwesend, wertend, verschlossen, ablehnend, greifend, unfreundlich, ungeduldig, misstrauisch, verachtend, kleinlich, trennend, mitleidend, undankbar, lieblos?

Oder sind wir erwartungslos, unvoreingenommen, bewusst, präsent, wertfrei, offen, akzeptierend, gelassen, freundlich, geduldig, vertrauensvoll, wertschätzend, grosszügig, verbindend, mitfühlend, dankbar, liebevoll?

Diese inneren Haltungen, diese Qualität des Bewusstseins, dieses WIE, diesen Bezug zum Prozess des Erlebens können wir kultivieren. Wir können üben, unsere Aufmerksamkeit und somit unser Leben entsprechend auszurichten. Das hilft uns mit Leiden aller Art heilvoll umzugehen, die Tiefe des Lebens zu erforschen sowie Glück und Zufriedenheit einzuladen. Buddha sagte schon: Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen, die wir anhäufen.

Ich wünsche dir, dass du im Laufe des Lebens Klarheit erlangst, wie du klug mit deiner inneren Stimme umgehen kannst. Achte gut auf „deine“ Gedanken, denn sie erschaffen die Realität, die du fühlst und schlussendlich erlebst. Glaube nicht alles, was du denkst. Gedanken sind nicht immer wahr. Gedanken kommen und gehen, identifiziere dich nicht mit ihnen. Du bist nicht deine Gedanken.

Du bist viel mehr. Ich wünsche dir, dass du Zugang findest zu deinem Selbst (im Buddhismus: Nicht-Selbst), zu diesem Wesenskern, zu diesem inneren Raum in dir, der dir gleichzeitig Weite und Verbundenheit schenkt.

Mögen du und alle Lebewesen frei und glücklich sein und möge ich mit meinen Gedanken, Worten und Handlungen auf bestmögliche Weise dazu beitragen.

Ich liebe dich. Und ich werde dich immer lieben. Bedingungslos.
♡︎ Baba

P.S. Riskiere etwas. Mache etwas von Bedeutung. Sei grosszügig ohne Grund. Interessiere dich für das Leben.

P.P.S. „Wenn Menschen dich schlecht behandeln, hat das nichts mit dir zu tun. Nimm es niemals persönlich, sondern wünsche ihnen von Herzen gute Besserung.“ (Lars Amend)

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Achtsamkeit als Basis

Wie du vielleicht bereits weisst, können wir uns diese liebevolle Gegenwärtigkeit aneignen, indem wir Achtsamkeit und Mitgefühl üben – egal mit welcher Technik, ob Sitzmeditation, Alltagsachtsamkeit oder jegliche Arten von Meditation in Bewegung. Es geht aus meiner Erfahrung immer wieder darum Bewusstsein einzuladen, immer und immer wieder.

Was fühle, denke und tue ich gerade?
Wie bin ich mit dem Erlebten, mit dieser Realität, in Beziehung?
Und wie möchte ich mit dem Erlebten in Beziehung sein, sodass Zufriedenheit wachsen kann?

 

„Es geht nicht darum, irgendwo anzukommen. Es geht darum, mit welcher Haltung wir durchs Leben gehen, persönlich und bei der Arbeit. Nicht ob wir angstfrei sind, sondern wie wir der Angst begegnen. Das hat mich sehr berührt und seitdem stresse ich mich weitaus weniger über Ziele und Pläne. Der Weg dahin und wie ich mit der Situation umgehe, ist mir wichtiger.“
– Christoph Magnussen

 

Vielleicht magst auch Du deine Gedanken zu dieser Frage – wie ein glückliches Leben gelingen könnte – im Kommentar unten teilen. Ich bin sehr interessiert und freue mich auch über ganz kurze Kommentare.

Mögest auch du ein glückliches und zufriedenes Leben führen und, mit allen Erfahrungen, die dich unglücklich machen, einen konstruktiven und heilvollen Umgang finden.

Reto

 

 

 


Reto Weishaupt
ist Meditationslehrer und Achtsamkeitscoach bei MINDFULMIND. Meditation ist für ihn ein starkes Instrument, das er zur Geistes- und Herzensschulung gerne weiter gibt – undogmatisch, säkular und frei von Ideologie. „It’s all about cultivating mind and heart.“

 

 

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