MINDFUL MONDAY (42) von Reto Weishaupt

Chade-Meng Tan war bis 2015 Software-Ingenieur bei Google. Dort hat er ein Achtsamkeitstraining eingeführt, das er „Search Inside Yourself“ nannte. Seine Klassen bei Google waren so erfolgreich, dass er ein (sehr lesenswertes) gleichnamiges Buch schrieb. Teile daraus führt er in diesem Video aus. Nachfolgend sind seine markantesten Aussagen in kompakter Form zusammengefasst.

1. Ich bin nicht mein Gefühl.

Wir denken, unsere Gefühle seien wir selbst. Das zeigt sich in der Sprache, die wir nutzen: Ich bin glücklich, ich bin traurig, ich bin wütend. Das Gefühl wird also zu mir, ich werde zum Gefühl. Wahr ist aber: Ich bin nicht das Gefühl, ich nehme es wahr.  Sich dieser Wahrnehmungsverschiebung bewusst zu werden – von „ich bin wütend“ zu „ich nehme Wut wahr“ – das ist eine kraftvolle Verschiebung der Perspektive! Metaphorisch ist mein Geist der Himmel und meine Gefühle sind die Wolken. Deine Gefühle besetzen deinen Geist, aber sie sind nicht dein Geist.

2. Ich bin handlungsfähig.

Die Klarheit und Schärfe deines Geistes – geschärft durch Achtsamkeit und Meditation – ermöglicht dir besser zu erkennen, wenn ein Gefühl aufkommt: ich bin nicht das Gefühl, ich nehme es wahr. Wenn deine Aufmerksamkeit noch feiner wird, erkennst du, dass die Erfahrung von Gefühlen physiologisch sind. Jedes Gefühl hat eine körperliche Entsprechung. Du wirst entdecken, dass schmerzhafte Gefühle im Geist nicht anders sind als schmerzhafte Gefühle am Körper. Der Schmerz ist nicht ich, es ist eine Empfindung, eine Erfahrung in meinem Körper. Und weil der körperliche Schmerz nicht ich ist, kann ich etwas daran ändern. Oder ich kann es ignorieren oder achtsam beobachten. Und dort lieg die Kraft. In dieser Veränderung der Wahrnehmung. Ich bin nicht ausgeliefert, ich bin handlungsfähig.

3. Ich möchte, dass dieser Mensch glücklich ist.

Denke bei jedem Menschen, den du siehst, egal wen, als ersten Gedanke immer: „Ich möchte, dass dieser Mensch glücklich ist.“ Zufällige bedingungslose Freundlichkeit. Das ist alles. Wenn du diese mentale Gewohnheit aufbauen kannst, sodass sie ohne Anstrengung kommt, dann ändert alles. Du kommst in einen Sitzungsraum, du schaust jeden an und denkst: „Ich möchte, dass du glücklich bist.“ Die Folge: Deine Körpersprache (Körper/Gestik, Gesicht/Mimik, Tonus Sprache) spricht unbewusst zu den Anwesenden. Die Anwesenden wiederum nehmen – ebenfalls unbewusst – deine positive Körpersprache auf. Das Gegenüber spürt das unterbewusst. Diese Sitzungsteilnehmer denken dann: „Ich mag diese Person, aber ich weiss nicht warum!“ Wenn du also während der Arbeit diese mentale Gewohnheit hast, dann werden die Leute mit dir arbeiten wollen und du wirst erfolgreich sein. Versuche das viel zu machen. Lass es eine Gewohnheit werden. Es ändert dein Leben.

4. Diese Person ist wie ich.

Speziell in konfliktvollen Situationen ist es sehr hilfreich folgende kraftvolle Gewohnheit zu entwickeln. Die Gewohnheit Menschen zu betrachten und sich zu sagen: „Diese Person ist wie ich. Ein menschliches Wesen. Diese Person möchte glücklich sein, wie ich. Diese Person möchte frei von Leiden sein, wie ich.“ Das ändert wie zu reagierst und wie du Probleme löst. Dieses Denken lässt dich erfolgreicher werden.

5. Das Ziel ist der Weltfrieden.

Ein hohes Ziel, ich weiss. Aber was sind die essentiellen Voraussetzungen, um Weltfrieden zu erreichen? Zwei Dinge: 1. Das Ende von globaler Armut 2. Innerer Friede, innere Zufriedenheit und Mitgefühl in einer globalen Sicht. Ich arbeite am zweiten Punkt. Zentral ist, diese Werte auszurichten oder zu harmonisieren mit geschäftlichem Erfolg. Wenn du Menschen hilfst diese Qualitäten zu kultivieren, um damit geschäftlichen Erfolg zu erreichen, dann werden diese Qualitäten sich ungehindert ausbreiten. Lass die Leute im Selbstinteresse daran arbeiten und als Nebeneffekt verbessert sich die Welt.

Und last but not least: Es gibt eine Quelle von Glück zugänglich für jeden Menschen durch mentales Training, durch Meditation. Diese Quelle von Glück ist unabhängig von sinnlichem Vergnügen. Was es dafür braucht ist Übung.